Die Zehn Gebote · Das zweite Gebot
Verstösse gegen den heiligen Namen
nach P. Martin Ramm FSSP
Wer den Namen Gottes ehrt, kann ihn auch verunehren. Die Verstösse reichen von der blossen Gedankenlosigkeit bis zur bewussten Entweihung des Heiligen.
Die Leiter der Verstösse
Die Ehrfurcht vor der Majestät Gottes gestattet nicht, dass wir seinen Namen leichtsinnig aussprechen. Von der Gedankenlosigkeit bis zur bewussten Entweihung führt eine Leiter, die immer schwerer wiegt:
- Unbedachtes Aussprechen oberflächlich, banal, gedankenlos
- Fluchen heilige Namen im Ausbruch des Zorns
- Verfluchen den Fluch Gottes auf jemanden herabwünschen
- Blasphemie Schmähung und Verhöhnung Gottes
- Sakrileg vorsätzliche Entweihung des Heiligen
Die Balken zeigen das wachsende Gewicht der Verfehlung, nicht ein kirchliches Mass.
Unbedachtes Aussprechen
Diese Bitte ist freilich immer auch eine grosse Gewissenserforschung für uns: Wie gehe ich mit dem heiligen Namen Gottes um?
Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, S. 179
Der Name Gottes darf nicht oberflächlich, banal oder gedankenlos gebraucht werden.
Die Heiligkeit des Namens Gottes verlangt, dass man ihn nicht um belangloser Dinge willen benutzt.
KKK 2155
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz aussprechen; denn der Herr lässt denjenigen nicht ungestraft, der seinen Namen unnütz ausspricht!
Ex 20, 7
Zur Gewissenserforschung gehört auch der Gebrauch sprachlich verblasster Christus-Anrufungen, die zum alltäglichen Ausdruck von Bedauern oder Überraschung geworden sind: „O Je", „Herr Je", „Jemine" (von Jesu Domine), „mein Gott", „Sapperlot" … — eine Liste der verhüllten Flüche folgt weiter unten.
Der Name des Herrn ist heilig. Darum darf der Mensch ihn nicht missbrauchen. Er soll ihn in schweigender, liebender Anbetung im Gedächtnis behalten. Er darf ihn nur gebrauchen, um Gott zu preisen, zu loben und zu verherrlichen.
KKK 2143
Darum hat Gott ihn erhöht und ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, auf dass im Namen Jesu jedes Knie sich beuge im Himmel, auf der Erde und unter der Erde, und jede Zunge bekenne: Jesus Christus ist der Herr, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters.
Phil 2, 9–11
Fluchen & Verfluchen
Mehr als nur „schlimme Wörter" sagen: Man versteht darunter das Aussprechen heiliger Namen bei Ausbrüchen von Zorn.
Das Herabwünschen des Fluches Gottes auf eine Person oder Sache — verbunden mit dem Wunsch, dass jemandem etwas Schlechtes zustösst.
Vgl. das Beispiel des heiligen Pfarrers von Ars.
Verhüllte Flüche
Die meisten Flüche im Mund eines Schweizers sind verhüllte Flüche: Der heilige Name steckt noch darin, aber so verschliffen, dass man ihn nicht mehr hört. Wer „Gopf!" sagt, meint nicht mehr, was er sagt — gesagt hat er es trotzdem. Das ist der Regelfall des unbedachten Aussprechens: keine Lästerung, aber auch keine Ehrfurcht.
Beteuerungen, die den Namen Gottes missbräuchlich anrufen, ohne jedoch die Absicht zu lästern, sind ein Zeichen mangelnder Ehrfurcht gegenüber dem Herrn.
KKK 2149
- „Gopf!", „Gopferdammi", „Gopfertami", „Gopferteli", „Gopferdeckel" Gott verdamm mich — die milderen Formen tauschen nur die Endsilbe aus, der Anfang bleibt Gott
- „Gopfridstutz", „Gottfriedstutz" Der Vorname Gottfried als Deckname für Gott
- „Potz!", „Potz tuusig", „Potzblitz" „Potz" ist verschliffenes „Gotts" (Gottes)
- „Herrschaftszeiten!" Verhüllung von „Herrgott"
- „Grundgütiger!", „Ach du lieber Himmel" Der grundgütige Gott, dessen Name weggelassen wurde
- „Oje", „Ojemine", „Jemine" Jesu Domine — „Herr Jesus" (Anruf)
- „Herrje", „Herrjemine", „Herrjeh" Herr Jesus
- „Jesses", „Jesses Gott", „Jesses Maria" Jesus — kaum verändert, nur schnell gesprochen
- „Chrüzifixnomal", „Chrüzdonnerwetter" Das Kreuz Christi als Verstärkungswort
- „Heilandsack", „Heiland Zack" Der Heiland — und dahinter noch das Sakrament
- „Sackzement!", „Sack Zement" Sakrament — der Zement ist reine Tarnung
- „Sackerment", „Sapperment", „Sapperlot" Sakrament
- „Himmelsakrament", „Himmelherrgottsakrament" Der Himmel, der Herrgott und das Altarsakrament in einem Atemzug
- „sacrebleu", „parbleu", „morbleu", „palsambleu" „bleu" steht für „Dieu": sacré Dieu, par Dieu, mort de Dieu, par le sang de Dieu
- „bon sang!" Das Blut Gottes — „sang de Dieu"
- „jarnidieu", „jarnibleu" „je renie Dieu" — „ich verleugne Gott"
- „perdinci", „perdiana", „perbacco" per Dio — bei Gott; „perbacco" tauscht Gott gegen Bacchus aus
- „cribbio", „cristallo!" Cristo
- „zio cane", „zio porco" Dio cane, Dio porco — die italienische bestemmia, um zwei Buchstaben verstellt
- „Oh my God", „OMG" Gar nicht verhüllt, nur abgekürzt und darum unhörbar geworden
- „gosh", „golly" God
- „gee", „geez", „jeepers" Jesus
- „cripes", „crikey" Christ
Die Reihe liesse sich verlängern: „Zum Kuckuck", „potz tuusig", „meiner Treu" — wo ein Ausruf besonders alt klingt und niemand mehr sagen kann, was er bedeutet, steht die Wahrscheinlichkeit gut, dass ein heiliger Name darunter liegt.
Die Umgangssprache trägt auch das Gegenteil in sich. Der Schweizer Gruss ist ein Gebet, das man bloss verlernt hat zu hören:
- „Grüezi", „Grüess Gott" „Gott grüez i" — Gott grüsse Euch
- „Adie", „Ade", „Adieu" „à Dieu" — Gott befohlen
- „Tschüss" Über das Niederdeutsche aus spanisch „adiós" — zu Gott
- „Bhüetdi", „Bhüetis" „Gott behüte dich"
- „Vergälts Gott" „Gott vergelte es dir"
Wer den Namen wieder mitmeint, macht aus der Floskel ein kurzes Gebet.
Mit ihr preisen wir Gott und den Vater; und mit ihr verfluchen wir die Menschen, die nach dem Ebenbilde Gottes gemacht sind. Aus einem und demselben Munde geht Segen und Fluch hervor. Nicht ziemt sich, meine Brüder, dass dies also geschehe.
Jak 3, 9–10
Es geht nicht um Silbenjagd. Wer „Gopf" sagt, ohne die Herkunft zu kennen, lästert nicht — die Unwissenheit entschuldigt. Aber was man einmal weiss, spricht man nicht mehr unbedacht aus; von da an ist es eine Entscheidung. Das Weglassen ist dabei das Mindeste; der ganze Weg ist das Umdrehen: statt der verhüllten Anrufung eine wirkliche. Bei den Jesus-Formen liegt sie besonders nah — aus „Jesses!" wird „Jesus, hilf mir", fast dieselbe Silbe. Entscheidend ist nicht die Lautstärke oder die Gemütslage, sondern ob der Name Anrede ist oder blosser Ausruf: ob ich zu ihm spreche oder nur Luft ablasse.
Blasphemie
Im christlichen Sprachgebrauch ist die Blasphemie eine Schmähung oder Verhöhnung Gottes durch Worte oder Gebärden. Die bewusste Gotteslästerung ist eine der schwersten Sünden; im Alten Bund wurde sie mit dem Tod bestraft (Lev 24, 16).
Gotteslästerung widerspricht der Ehrfurcht, die man Gott und seinem heiligen Namen schuldet. Sie ist in sich eine schwere Sünde.
KKK 2148 (vgl. CIC can. 1369)
Sakrileg
Das Sakrileg (Gottesraub) bezeichnet ursprünglich den Raub heiliger Dinge. Daraus hat sich die Bedeutung entwickelt, vorsätzlich etwas Heiliges zu entweihen. Es kann sich gegen dreierlei richten:
Aus der Ehrfurcht vor Gott und seinem heiligen Namen kommt wie von selbst die Ehrfurcht vor allem, was von Gott kommt oder zu seinem Dienst bestimmt ist.
Ehre Gott und achte seine Priester.
Sir 7, 31
Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.
Lk 10, 16
Sünden gegen die Keuschheit von Personen oder mit Personen, die durch die heiligen Weihen oder die Ordensprofess Gott geweiht sind, haben zusätzlich den Charakter eines Sakrilegs.