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Das Kirchenjahr

Anders als das bürgerliche Jahr, beginnt das Jahr der Kirche mit dem 1. Sonntag im Advent. Unter dem ‚Kirchenjahr‘ versteht man eine jährlich wiederkehrende Abfolge von Festtagen und Festzeiten, die sowohl die Liturgie als auch das gesamte übrige Leben der Kirche bestimmen und prägen.
Bergkreuz-Stoos Im Kirchenjahr liegt ein uner- messlicher spiritueller Reichtum, der stets neu zu entdecken und zu vertieften ist.
Hinter dem Kirchenjahr steht die reiche Erfahrung und weise Pädagogik der Mutter Kirche, die ihren Kindern alle Mittel zum Heil und zu ihrer persönlichen Heiligung bereitstellt. Das gesamte Kirchenjahr hat einen sakramentalen Charakter: Jede Zeit hat ihre eigene Gnade.
Damit das Kirchenjahr in unseren Seelen wie guter Same auf gutem Erdreich hundertfache Frucht bringen kann (vgl. Mk 4, 20), müssen wir seinen Sinn verstehen und innerlich bewusst mitgehen. Ob es für uns persönlich geistlich fruchtbar wird, hängt davon ab, ob wir uns bemühen, mit bereitem und offenem Herzen im Rhythmus des Kirchenjahres zu leben.

Die Gestalt des Kirchenjahres ist geprägt durch zwei große Festkreise: den Weihnachtsfestkreis und den Osterfestkreis. In beiden gilt es, bildlich gesprochen, jeweils einen Berg zu besteigen: zunächst den Weihnachtsberg und dann den viel höheren Osterberg. Beide Berge haben einen mühsamen Aufstieg, eine frohe Festzeit und eine Zeit des Ausklangs.

Solange es beide Male den Berg hinaufgeht, nämlich im Advent und in der Vorfasten-, Fasten- und Passionszeit, symbolisiert am Altar die violette Farbe die Gesinnung der Buße und die Mühe des geistlichen Kampfes.

Sobald der Gipfel erreicht ist, wird der Höhenweg der geistlichen Festfreude durch die weiße oder goldene Farbe dargestellt.

Wenn es dann den Berg hinuntergeht, sei es das kürzere Stück der Sonntage nach Epiphanie oder das längere Stück der mindestens 24 Sonntage nach Pfingsten, bedeutet die grüne Farbe das Leben in der Kraft und unter dem Ansporn des Heiligen Geistes.

Dasselbe Bild vom inneren Aufstieg gebraucht der Prophet Isaias, wenn er sagt: „Kommt, lasst uns hinaufsteigen zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs, dass er uns seine Wege lehre und wir wandeln auf seinen Pfaden!“ (Is 2, 3)
Im geistlichen Leben bedeutet ‚hinaufsteigen‘, etwas unter sich zu lassen. Es bedeutet Abkehr vom Niedrigen und Hinwendung zum Hohen. Wir sollen alles überwinden, was nach unten zieht, sozusagen die Fesseln lösen, die uns an die Erde binden. Und genau das ist ‚Gebet‘, nämlich ein innerer Aufstieg der Seele zu Gott.
Es ist sehr wichtig und gut für uns, diesen Wege zu gehen!