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Der Advent

Im Advent lädt uns die Kirche Jahr für Jahr dazu ein, das Werk unserer Heiligung neu zu beginnen, zu vertiefen und zu vervollkommnen, denn wo die Liebe Christi drängt (vgl. 2 Kor 5, 14), darf es weder Stillstand noch Leerlauf geben.
St. Paul ‚Adventus Domini‘ bedeutet ‚Ankunft des Herrn‘. Dabei geht es aber nicht nur um die Erinnerung an die ‚erste‘ Ankunft Christi in seiner Menschwerdung und seine Geburt aus der Jungfrau Maria. Zugleich richtet sich der Blick auch auf seine ‚zweite‘ Ankunft am Ende der Zeit, wenn er wiederkommen wird in Macht und Herrlichkeit, um über Lebende und Tote zu richten. Und dafür gilt es, bereit zu sein!
Aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit zur Fastenzeit wird der Advent auch eine ‚kleine Fastenzeit‘ genannt. Er ist zwar viel milder und weniger herb als die Fastenzeit, doch trägt auch er deutlich den Charakter von Buße und Umkehr, denn hinaufsteigen zum Berg des Herrn darf nur, „wer schuldlose Hände hat und ein reines Herz“ (Ps 24, 4). Sehr schön sagt eine der Antiphonen der adventlichen Sonntagsmatutin: „Zur Ankunft des großen Königs sollen die Herzen der Menschen geläutert werden, damit wir würdig ihm entgegen gehen; denn seht, er wird kommen und nicht säumen.“

In ihrer heutigen Form geht die Adventszeit auf das 7. Jahrhundert zurück. Papst Gregor der Große († 604) hat die Zahl der Sonntage im Advent auf vier festgelegt, was später vom Konzil von Trient bestätigt wurde.
In einigen Diözesen, wie beispielsweise im Erzbistum Mailand, hat sich aber der ältere Brauch einer sechswöchigen Adventszeit, die nach dem Fest des hl. Martin begann, bis heute gehalten. Mancherorts lebt ein Überbleibsel davon in dem eigentümlichen Brauch, am 11. November die Fastnacht zu eröffnen, weil der Martinstag ursprünglich die Nacht vor dem adventlichen Fasten war, die heute aber närrischerweise bis zum Aschermittwoch ausgedehnt wird.
Die vier Adventssonntage stehen symbolisch für die (nach alter Vorstellung) viertausend Jahre der Sehnsucht und des Harrens der Menschheit auf die Ankunft des Erlösers, und sie wollen in uns die Sehnsucht nach dem Heiland wecken.